Schritt 1: Das Produktionspotenzial realistisch einschätzen
Vor jeder Investition muss klar sein, was Ihr Dach tatsächlich produzieren kann. Nutzen Sie kostenlose Tools wie PVGIS (JRC Europa) oder den Swissolar-Rechner, um die Jahresproduktion anhand Ihrer Adresse, der verfügbaren Fläche und Ausrichtung zu schätzen. In der Deutschschweiz produziert 1 kWp gut ausgerichtet (Süd, 30°) etwa 900–1 050 kWh/Jahr. Multiplizieren Sie diesen Wert mit der geplanten Anlagenleistung in kWp, um die reale Jahresproduktion zu ermitteln. Eine präzise Schätzung ist die Grundlage jeder seriösen Rentabilitätsberechnung.
Schritt 2: Initialkosten durch PRONOVO-Förderung senken
In der Schweiz profitieren Photovoltaikanlagen von einer Einmalvergütung (EIV) über PRONOVO. Der Betrag hängt von der Spitzenleistung der Anlage ab: Bei einer Wohnanlage mit 8 kWp kann die PRONOVO-Förderung CHF 1 500–3 000 ausmachen. Hinzu kommen die kantonalen Steuerabzüge (abzugsfähig als Liegenschaftsunterhaltskosten): Bei einer Anlage für CHF 20 000 entsprechen die Steuerersparnisse CHF 4 000–6 000. Unter dem Strich kann Ihre Nettoinvestition um 25–35% reduziert werden.
Schritt 3: Eigenverbrauch maximieren – hier entsteht der wahre Gewinn
Das Grundprinzip: Jede kWh, die Sie direkt von Ihren Modulen verbrauchen, ist zum vermiedenen Bezugspreis (CHF 0.22–0.35/kWh) wert – also 2–3x mehr als der Einspeisetarif (CHF 0.07–0.14/kWh). Strategien zur Maximierung: Verschieben Sie den Betrieb von Grossverbrauchern (Waschmaschine, Geschirrspüler, EV-Ladestation) per Zeitschaltuhr oder Smart Plug in die Mittagsstunden mit Sonnenpeak. Erhitzen Sie den Warmwasserboiler auf 65°C mit Solarüberschuss via Ohmpilot (CHF 800). Ergänzen Sie einen Heimspeicher (10 kWh), um den Tagesüberschuss auf den Abend zu verschieben.
Schritt 4: Überschussstrom ins Netz einspeisen
Strom, den Ihre Module produzieren und den Sie nicht selbst verbrauchen, wird automatisch ins Netz eingespeist. Ihr lokaler Netzbetreiber vergütet dies zu einem jährlich festgelegten Einspeisetarif. Im Jahr 2026 liegt dieser zwischen CHF 0.07 und 0.14/kWh je nach Versorger. Bei einer 8-kWp-Anlage mit 40% Eigenverbrauchsquote beträgt der jährlich verkaufte Überschuss etwa 4 000 kWh × CHF 0.10 = CHF 400/Jahr direkte Einnahmen. Kein Hauptgewinn, aber ein garantiertes, passives Einkommen über die gesamte Anlagenlebensdauer.
Schritt 5: Strom zum Bestpreis über einen ZEV an Nachbarn verkaufen
Die höchsten Einnahmen aus Solarüberschüssen entstehen nicht durch die Netzeinspeisung, sondern durch den Direktverkauf an Nachbarn oder Mieter über einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). In einem ZEV verkaufen Sie Energie direkt an andere Gebäudenutzer zu einem internen Tarif – typischerweise CHF 0.14–0.20/kWh, also 2–3x mehr als der Netzeinspeise-Tarif, aber dennoch günstiger als der Netzpreis für die Käufer. Eine Win-Win-Situation: Sie erhalten mehr für Ihren Überschuss, Ihre Nachbarn/Mieter zahlen weniger für ihren Strom. Das rechtliche Rahmenwerk ist im Schweizer Energiegesetz (EnG) geregelt.
