Was der Wegfall konkret bedeutet: eine Rechnung
Eine typische Wärmepumpe in einem Schweizer Einfamilienhaus (150 m², Baujahr 1990, mittelgut gedämmt) verbraucht 6 000–9 000 kWh/Jahr für Heizung und Warmwasser. Beim Wärmepumpenstrom-Tarif von CHF 0.13/kWh kostet das CHF 780–1 170/Jahr. Beim allgemeinen Normalstromtarif von CHF 0.26/kWh (Deutschschweizer Durchschnitt 2026) kostet dasselbe CHF 1 560–2 340/Jahr. Der Unterschied: CHF 780–1 170 mehr pro Jahr — ohne den geringsten Mehrkomfort. Das ist die Dimension des Problems, das viele Haushalte in den nächsten 1–3 Jahren treffen wird.
Massnahme 1: Auf Zweitarif (NT/HT) umstellen und WP-Laufzeiten optimieren
Der direkte Nachfolger des Wärmepumpenstrom-Sondertarifs ist der Niedertarif (NT) im klassischen Bi-Tarif-Modell. Der NT ist teurer als der WP-Sondertarif (ca. CHF 0.17–0.20/kWh vs. CHF 0.10–0.14/kWh), aber immer noch 20–30% günstiger als der Hochtarif. Entscheidend: Ihre Wärmepumpe muss so programmiert werden, dass sie ausschliesslich im NT läuft. Moderne WP-Steuerungen (Nilan, Siemens, Viessmann Vitocal) erlauben eine präzise Zeitprogrammierung. Ältere Anlagen mit Sperrzeitkontakt (alter Rundsteuerempfänger) müssen vom Elektriker umgerüstet werden — Kosten CHF 200–500, Amortisation unter 1 Jahr durch Tarifoptimierung.
Massnahme 2: Photovoltaik + Wärmepumpe — die beste langfristige Antwort
Eine 8–10 kWp-Solaranlage kann in der Übergangszeit (März–Mai, September–Oktober) die Wärmepumpe zu 50–70% mit eigenem Sonnenstrom versorgen — zum Preis von CHF 0/kWh statt CHF 0.26/kWh. In diesen Monaten läuft die WP primär tagsüber (Solarspitze 10–15 Uhr), die Anlage heizt das Haus auf «Vorrat» (thermische Masse), und die Nacht wird mit der gespeicherten Wärme überbrückt. In manchen Kantonen (Aargau, Bern, Zürich) gibt es spezifische Förderprogramme für die Kombination PV + WP. Der Hebel ist besonders gross in der Übergangszeit, wo der Wegfall des WP-Tarifs am stärksten schmerzt.
Massnahme 3: Heimspeicher für WP-optimierte Nutzung von Solarüberschuss
Ein Heimspeicher (8–12 kWh) ermöglicht, Solarüberschuss vom Mittag auf die Morgenstunden zu verschieben — genau dann, wenn die WP für die Morgenerwärmung läuft. Für WP-Haushalte ist das eine andere Logik als für reine Strombezieher: der Speicher dient nicht als Abendvorrat für Beleuchtung und Geräte, sondern als Puffer für die thermische Last Heizung. Zusammen mit einer intelligenten WP-Steuerung (SG-Ready Schnittstelle) optimiert der Heimspeicher den Eigenverbrauchsanteil der WP auf 55–70% in der Übergangszeit. Im Vergleich zum verlorenen WP-Sondertarif amortisiert sich dieser Aufbau in 8–12 Jahren.
Massnahme 4: WP-Wartung und hydraulischen Abgleich prüfen — Sie heizen womöglich viel zu viel
Viele Schweizer Wärmepumpen sind überdimensioniert oder hydraulisch falsch eingestellt. Symptome: die WP taktet häufig (läuft kurz, stoppt, startet wieder), die Vorlauftemperatur ist auf 50–55°C eingestellt obwohl Fussbodenheizung mit 35°C auskommt, das Wasser im Pufferspeicher wird unnötig heiss gehalten. Diese Mängel kosten 20–35% mehr Strom. Vor dem Wegfall des Sondertarifs ist jetzt genau der richtige Moment für einen Effizienz-Check durch einen zertifizierten HLK-Fachmann: hydraulischen Abgleich vornehmen, Vorlauftemperaturkurve optimieren, COP-Messung durchführen. Kosten: CHF 300–600. Einsparung bei optimierten Einstellungen: CHF 300–900/Jahr — in vielen Fällen mehr als der Tarif-Mehrbetrag.
